Hydraulikschläuche pricken

Auch wenn das zunächst dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheint, werden Hydraulikschläuche für bestimmte Anwendungen geprickt. „Pricken“ heißt so viel wie „stechen“ – beide Verben sind synonym.

Zerstochene Schläuche in hydraulischen Anlagen? Was es damit auf sich hat, wird im Folgenden erklärt.

Hydraulikschläuche mit Gefahrenpotential

Schlauchleitungen für hydraulische Anlagen sind grundsätzlich so zu planen, dass die Funktionssicherheit während der beabsichtigten Verwendung stets gewährleistet ist. In der Praxis werden die beim Betrieb von Druckleitungen drohenden Gefahren oft unterschätzt.

Ein geplatzter Hydraulikschlauch kann jedoch nicht nur längere Stillstandzeiten und damit betriebswirtschaftlich relevante Produktionsausfälle verursachen. Auch Personen können ernsthaft zu Schaden kommen. Um das zu verhindern, ist schon bei der Auswahl des richtigen Schlauches wie auch bei dessen Installation und Wartung größte Sorgfalt geboten.

Die Auswahl des geeigneten Hydraulikschlauches richtet sich nach der genutzten Hydraulikflüssigkeit, deren Temperatur und den zu erwartenden Druckverhältnissen. Da der Druckverlauf in hydraulischen Systemen dynamisch ist, dürfen Druckspitzen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb sollte auch die zu erwartende maximale Druckbeanspruchung während auftretender Druckimpulse beachtet werden.

Zu berücksichtigen ist weiterhin die Volumenzunahme der Schläuche unter bestimmten Betriebsbedingungen sowie Umwelteinflüsse wie beispielsweise Sonneneinstrahlung oder Ozonbelastung der Umgebung.

Entsprechend der unterschiedlichen Anforderungen gibt es Hydraulikschläuche aus verschiedenen Materialien, die entweder aus einer oder mehreren Schichten und Einlagen aus Textilgewebe, Drahtspiralen oder Metallgeflecht aufgebaut sind.

Durchlässige Schläuche für mehr Sicherheit

In bestimmten Temperaturbereichen der Hydraulikflüssigkeit können sich Dämpfe entwickeln. Insbesondere unter hohem Druck können die dabei entstehenden Gase durch die Innenhaut des Schlauchs herausströmen, was auch als Effusion bezeichnet wird. Infolgedessen sammeln sich im Schlauchinneren Gase ungewollt an, die brennbar, giftig oder auch explosiv sein können. Platzt daraufhin ein Hydraulikschlauch, können Flüssigkeit und/oder Gase unkontrolliert entweichen.

Um ein eruptives Austreten des Gases zu verhindern und sich gegebenenfalls ansammelnde Gaskonzentrationen unterhalb der Außenschicht kontrolliert abzuführen, kann der Schlauch perforiert werden. Dieser Vorgang wird als Pricken bezeichnet.

Damit wird ein Stau von Gasen verhindert. Somit sorgt das Stechen von Öffnungen in die Schlauchhaut dafür, dass durch die Schlauchseele diffundierende Gase kontinuierlich entweichen können und kontrolliert abgeführt werden. Solche Gase entstehen insbesondere bei hohen Temperaturen und/oder hohem Druck.

In den Anfängen der Hydraulik wurde vornehmlich Wasser als Fluid genutzt. Heute kommen in der Leistungshydraulik hauptsächlich Hydraulikflüssigkeiten auf Mineralölbasis (auch Hydrauliköle genannt) und schwer entflammbare Flüssigkeiten (wie z.B. chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Fettsäureester) zum Einsatz. Einige dieser synthetischen Flüssigkeiten sind bis zu Temperaturen von +150 Grad Celsius anwendbar. Wasser wird in Form von Wasser-Öl- oder Öl-Wasser-Emulsionen als Hydraulikflüssigkeit genutzt.

Sowohl für Hydraulikschläuche, die Heißwasser führen als auch für solche, in denen die Druckübertragung durch andere Hydraulikflüssigkeiten erfolgt, welche bei hoher Temperatur und/oder hohem Druck Gase freigeben, empfiehlt sich das Pricken.

Angeboten werden bereits mit Löchern versehene Schläuche aber auch Perforierbacken für Schlauchpressen, mit deren Hilfe Hydraulikschläuche nachträglich geprickt werden können.